Geschichte

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as ehemalige Kloster Mariazell in Österreich, nunmehriges Klein-Mariazell, liegt im westlichen Teil des auslaufenden Wienerwaldes, im oberen Triestingtal, auf rund 440 Metern Seehöhe. Klein-Mariazell gehört der Marktgemeinde Altenmarkt an der Triesting an, die die Orte St. Corona, Klein-Mariazell, Thenneberg, Hafnerberg-Nöstach und Altenmarkt selbst umfasst. Klein-Mariazell liegt an der „Via Sacra“, der alten Pilgerstraße von Wien nach Mariazell in der Steiermark.

m Jahre 1136 stifteten zwei Edle aus Nöstach, die Brüder Heinrich und Rapoto von Schwarzenburg aus dem Geschlecht der Haderiche aus Dank ihrer Versöhnung nach langem Streit, in dieser Urwaldgegend, wo sich schon ein Flurheiligtum – eine Zelle mit einer Muttergottesstatue und eine kleine Quelle– befand, das Benediktinerkloster Cella Sancte Marie, das „Marienzelle“ bedeutet. Unterstützt wurden sie von Markgraf Leopold III., der dort ebenfalls ein Kloster errichten wollte. Noch im Jahre 1136 kamen die ersten Mönche aus Nieder-Altaich in Bayern und begannen mit dem Bau des Klosters und mit der Urbarmachung der Umgebung. Das Kloster wurde auf landesfürstlichem Grund erbaut. Zu den ersten Mönchen zählte auch Heinrich, einer der beiden Stifter, der als Konverse in das Kloster eintrat. Die Legende erzählt, die beiden Stifter hätten bei der Rohdung und Urbarmachung selbst mit Hand angelegt. Heinrich und Rapoto von Schwarzenburg schenkten dem Kloster neben ausgedehnten Besitzungen in Norden Niederösterreichs auch ihre „urbs propria“, die Schwarzenburg, die ihnen von ihren Eltern überkommen war. Der Besitz des Klosters umfasste bald ein in sich geschlossenes Gebiet, da nach der Schwarzenburg im Jahre 1136 durch einen Tausch 1154 auch der Zehent des Gebietes, das sich ungefähr mit den heutigen Katastralgemeinden Nöstach, Altenmarkt, Thenneberg und Kaumberg deckt, an das Stift kam. Außerdem besaß man noch Güter in der Nähe von St. Pölten. Das Kloster entwickelte sich mit der Zeit zum geistlichen Zentrum des oberen Triestingtales.

m 13. und im beginnenden 14. Jahrhundert führten das Kloster tüchtige Äbte, wie Abt Abt Herbord, unter dem das Stift im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts große Zubauten erfuhr. So wurden damals eine reich ausgestattete Kapelle, ein Dormitorium, ein Refektorium, eine Wasserleitung zum Waschhaus, ein Speisesaal, ein Gästehaus, Fischbehälter und andere nützliche Dinge erbaut.

Oder Abt Ulrich I. unter dessen Führung die große Stiftskirche und das Klostergebäude nach deren Zerstörungen durch die Kumanen 1250 und 1252 wieder errichtet wurden.

Siegel des Abtes Ulrich I.

In dieser Zeit wurde das Kloster auch in päpstlichen Schutz genommen und erhielt die freie Wahl seiner Äbte zugestanden.

Wie alle anderen Benediktinerklöster in Österreich zu dieser Zeit auch, erlitt Mariazell/Österreich in geistlicher Hinsicht einen Niedergang, der erst im 15. Jahrhundert durch die Melker Reform wieder wettgemacht werden konnte. An diesem großen Reformunternehmen waren auch einige Äbte des Klosters maßgeblich beteiligt, vor allem Laurenz I. Grueber.

Unter seinem Vorgänger wurde in den landesfürstlichen Wäldern etwa eineinhalb Stunden vom Kloster entfernt im Jahre 1444 eine kleine Kapelle zu Ehren der hl. Corona und Anna geweiht. Sie wurde nahe einem heilsamen Bründl errichtet und war das Ziel zahlreicher hilfesuchender Pilger geworden.

Aber schon im Jahre 1464 zerstörten die Ungarischen Brüder das Kloster. Nur zwei Jahre später wurden Kirche und Kloster wieder eingeweiht.

1529 und 1532 zerstörten die Türken das Kloster derart, dass die Kirche beinahe 80 Jahre lang leer stand. Erst um 1609 wurde sie wiederhergestellt und eingeweiht.

as Klostergebäude beherbergte außer dem Abt und den Mönchen das Gesinde und eventuell Gäste. Vornehmere Personen kamen eher selten, dafür öfters verschiedene Priester und Untertanen. Laut Inventar von 30. August 1566 gliederte sich das Haus in Sakristei, Bibliothek, Abtei, Konvent, diverse Zimmer für das Gesinde und den Maierhof. Durch ihre Funktion bedingt, befanden sich in der Sakristei vorwiegend Gegenstände für den liturgischen Gebrauch. Bevor der Gottesdienst gefeiert wurde, konnte sich der Priester hier umziehen, und bevor zum Chorgebet geschritten wurde, holte man sich von hier die nötigen Bücher. Auffällig ist die Erwähnung des Taufbeckens in diesem Raum; möglicherweise diente er auch als Taufkapelle. Anschließend erwähnt das Inventar die Bibliothek, die 350 Werke beinhaltete.

Die Abteistube diente als Schlafzimmer des Abtes. Er schlief in einem Himmelbett auf einem Strohsack. Zum Rasieren hatte er sein Scherzeug zur Hand. Außerdem bewahrte er hier verschiedene Feuerwaffen, Besteck und diverse andere Sachen auf.

Zur Versorgung des Hauses gab es drei Keller: den Speisekeller, den Brunnenkeller und den „khreut kheller“, in dem sich unter anderem eine große Menge Salz befand. Das Getreide wurde in zwei Kästen aufbewahrt. Im Maierhof befanden sich zu jener Zeit zwei Pferde zum Reiten und eines zum Lasttragen, 22 Zugochsen, zehn andere, zwei Stiere, sechs Kälber, vierzehn junge Kälber, 24 Melkkühe, vierzig Schweine, 26 Schafe und 450 hl ungedroschenes Getreide.

n der Beziehung der Mönche im Kloster zur Außenwelt waren folgende zwei Faktoren bestimmend: die Grundherrschaft und die Seelsorge. Zum einen waren die Bewohner der umliegenden Ämter Klosteramt, Thenneberg, Altenmarkt und Nöstach dem Kloster untertänig, zum anderen gehörten sie der Klosterpfarre und damit auch deren geistlicher Jurisdikation an.

Das Kloster und sein unmittelbarer Einflußbereich im oberen Triestingtal (Klosterpfarre und kaiserl. Wienerwald)

Die umliegenden Untertanen waren verpflichtet regelmäßig den Gottesdienst zu besuchen und bei Taufen, Trauungen, Begräbnissen ect die entsprechenden Stolgebühren zu bezahlen. Die zur Seelsorge zugelassenen Mönche hatten nicht nur die Gottesdienste zu halten, Taufen zu spenden, bei Trauungen zu assistieren, Einsegnungen und Begräbnisse durchzuführen, sondern mussten auch seelsorglich tätig sein, indem sie Sterbenden die Letzte Ölung spendeten oder Kranken die Kommunion ins Haus bringen mussten, weil sie nicht in die Kirche kommen konnten. Begleitet wurde er bei solchen Besuchen entweder von einem Klosterbediensteten oder dem Schulmeister bzw Mesner, der das Rituale und andere Utensilien mittrug. Zu den Tätigkeiten des Seelsorgers gehörte auch das Hören der Beichte, was entweder in den dafür vorgesehenen Beichtstühlen oder in der Sakristei der Stiftskirche stattfand. Als die Seelsorge in der zweiten Hälfte des 16. Jhdts. noch nicht von Mönchen, sondern von angestellten Leutpriestern versehen wurde, war die Klausur keineswegs so streng, dass die Konventualen stets im Kloster zu bleiben hatten. Für einen Ausgang war die Erlaubnis des Abtes notwendig. Kleinere Spaziergänge, wahrscheinlich in der unmittelbaren Umgebung des Klosters, waren ohne ausdrückliche Erlaubnis des Abtes gestattet.

Zahlreiche Klöster betrieben eigene Apotheken, die von heilkundigen Mönchen oder ausgebildeten Apothekern geführt wurden. Außerdem gab es meistens eigene Krankenzimmer und speziell für Krankenpflege zuständige Geistliche. In Mariazell/Ö scheint nichts davon bestanden zu haben.

ür das Stift brachen wieder schwere Zeiten heran, denn der Geist der Reformation bedrohte auch dieses bis ins 17. Jhdt hinein. Dies äußerte sich vor allem in Auseinandersetzungen mit mit protestantischen Grundherrn der Umgebung, die das Kloster zu unterdrücken suchten, vor allem aber in einem akuten Mangel an Geistlichen. Dies führte so weit, dass die Kirchen in Altenmarkt und Nöstach nicht mehr mit Priestern besetzt werden konnten, und oft sogar der Abt selbst die Aufgabe des Pfarrers übernehmen musste, weil er der einzige Geistliche im Kloster war. Die Gottesdienste wurden daher in dieser Zeit in der Pfarrkirche St. Thomas, die sich im Stift befand, gehalten. Die anderen Gotteshäuser mussten vernachlässigt werden, was nach den überstandenen Reformationswirren im 17. Jhdt in der Zusammenlegung von Altenmarkt, Nöstach und Klosteramt zu einer Pfarre gipfelte, die bis 1782 bestehen blieb. Die nunmehrigen Filialen St. Johannes und St. Martin wurden von nun an nur mehr für Kirchenweihfeste und Begräbnisse genutzt.

Kupferstich von Georg Matthaeus Vischer (1672)

Die vermehrte Zahl der Konventualen machten im Kloster verschiedene Umbauten notwendig.

Es ist anzunehmen, dass unter Abt Valentin Stambler das Kloster jene Gestalt erhielt, die sich auf dem Kupferstich von Schlegl 1699 bietet.

Den Chor der Klosterkirche, womit möglicherweise die Apsis gemeint war, ließ er neu bauen. Das Kloster erhielt ein Dormitorium, womit nicht ein Schlafraum gemeint ist, sondern ein Trakt mit Zellen für die Mönche. Wappen des Abtes Valentin Stambler 1618-1653 In der Mitte des Obergeschosses der Südfront des Klostergebäudes wurde ein Refektorium errichtet, das von einer schweren Holztramdecke geziert wurde.

Auf dem Mittelbalken wies die eingeschnitzte Jahreszahl 1638 auf die Fertigstellung hin. Ebenso ließ er einen neuen Kapitelsaal bauen; dieser befand sich nach dem Kupferstich von 1699 im Obergeschoss des Verbindungstraktes zwischen Pfarr- und Stiftskirche. Außerdem ließ der Prälat die Mühle außerhalb des Klosters neu errichten; sie war wichtig für die Versorgung des Klosters mit Getreide und Backwaren.

Gegenstände des täglichen Lebens bezog man zum größten Teil aus Altenmarkt, das mit seinen Gewerbetreibenden ein wirtschaftlicher Mittelpunkt des Einflussbereichs des Klosters im oberen Triestingtal war.

In seiner Amtszeit gelang es Abt Valentin nicht nur, das Kloster in geistlichen Belangen endgültig zu konsolidieren, sondern auch in wirtschaftlichen. Zu diesem Zweck versuchte er, Güter, die im 16. Jhdt. verloren gegangen waren, wie in Langau oder Fahrafeld, zurückzuerlangen; ebenso versuchte er den Wochenmarkt in Altenmarkt, der dem Kloster 1448 zugestanden worden, im 16. Jhdt. jedoch abgekommen war, wieder einzuführen. Doch waren nahezu alle seine Bemühungen in diese Richtung vergeblich. Trotzdem war Mariazell/Ö wirtschaftlich gesund und konnte es sich leisten, weitere Besitzungen zu erwerben, wie zum Beispiel 1621 einen Hof in Guntramsdorf.

ie Barockzeit brachte einen großen Aufschwung für die Bruderschaften, welche Entwicklung auch in Mariazell/Ö deutlich wird, wo innerhalb von fünfzehn Jahren drei solcher Gemeinschaften entstanden: Mariä Himmelfahrt um eine glückselige Sterbestunde, Christenlehr und Corporis Christi. Hauptaufgabe dieser Bruderschaften war das regelmäßige Gebet bei bestimmten Ereignissen. Sie hatten, gekleidet in ihre Bruderschaftsmäntel, mit ihren Fahnen beispielsweise zu erscheinen, wenn der Erzbischof auf Visitation kam. Die Ausstattung für diese Bruderschaften – Fahnen, Windlichter und Mäntel – wurden auf Kosten des Klosters angeschafft. Alle drei Bruderschaften besaßen kein Vermögen; die geringen Einkünfte, die nur aus Spenden bestanden, wurden für die Bruderschaftsgottesdienste verwendet. Was sonst an Kosten anfiel, wurde vom Kloster bestritten. Der Konvent von Mariazell/Ö trat unter Abt Anselm Schiring der Josefsbruderschaft im Stift Lilienfeld bei, die damals große Bedeutung erreichte.

Wappen des Abtes Anselm 1654-1679

achdem die Türken am 12. September 1683 endgültig besiegt und in die Flucht geschlagen worden waren, war diese Gefahr gebannt und man konnte an eine Rückkehr denken.

Aus zwei Briefen Abt Romanus Wohlrab aus dem Jahre 1684 geht jedoch hervor, dass es in diesem Jahr keineswegs schon wieder so gut um das Kloster stand. Jedenfalls dürfte die Taverne noch 1683 wieder aufgebaut worden sein. Die völlige Wiederherstellung des Klosters dauerte mehrere Jahre.
Wappen des Abtes Wohlrab 1680-1699

Das Kloster dürfte noch in den 80er Jahren des 17. Jhdt. wieder halbwegs hergestellt gewesen sein. Die beste Quelle für das Aussehen des Klosters nach dem Wiederaufbau nach der Türkenzerstörung bietet uns der Kupferstich von Schlegl, der 1699 herausgegeben wurde, jedoch mit größter Wahrscheinlichkeit einige Jahre älter ist. Dieser ist in den Details äußerst genau.

Der Kupferstich von Schlegl

Im Zentrum der Anlage befanden sich die beiden Kirchen Mariä Himmelfahrt (Kloster) rechts und St. Thomas (Pfarre) links, an deren Nordseite sich die Michaelikapelle befand, die möglicherweise auch als Karner diente. Die Pfarrkirche war eindeutig im gotischen Stil erbaut, was an drei entsprechenden Maßwerkfenstern an deren Südseite und dem großen Eingangsportal zu sehen ist. Beide Kirchen hatten keine großen Türme, sondern Dachreiter aus Holz. Der Helm der Pfarrkirche wurde bekrönt von einem Marienbildnis und jeder der Klosterkirche von einem doppelten Kreuz. Im Hof hinter und neben der Thomaskirche befand sich der Friedhof für die Pfarrangehörigen, umgeben von einer Mauer mit Schießscharten und einem Wehrgang. Um beide Kirchen scharte sich der restliche Komplex des Klosters. Im Norden der Wirtschaftshof mit den Stallungen und der Pforte, im Süden das eigentliche Klostergebäude, das drei Innenhöfe umschloss. Im hintersten waren im ersten Stock die Zellen für die Mönche untergebracht, in der Mitte der Südfront das Refektorium und im westlichsten Hof die Prälatur, Zimmer der Bediensteten und Gästezimmer. Der große Hof vor der Südfront des Klosters war durch eine dicke Mauer eingefasst, in die auch eine Art Wehrturm integriert war. Hier befand sich ein Brunnen mit einer Benediktsstatue. Im Osten der Anlage befand sich, ebenfalls von einer Mauer umfangen der Klostergarten mit zahlreichen Bäumen, barock angelegten Beeten, Bienenstöcken und einem von einem kunstvollen Helm überdachten Lusthaus. Gemüse wurde auf einem Acker nördlich des Wirtschaftshofes und südöstlich des Klostergartens angebaut.

m Gefolge der Gegenreformation erblühte im Zeitalter des Barock dasreligiöse Leben im Sinne des Katholizismus von neuem, so dass sich eine Volksfrömmigkeit wie nie zuvor entfalten konnte. Alte vergessene Wallfahrten lebten von neuem auf, neue Kirchen und Kapellen, zu denen die Menschen pilgerten, entstanden und zahlreiche Prozessionen und geistliche Übungen bereicherten den liturgischen Jahreskreis jeder Pfarre. Ebenso erfuhr das geistliche Stiftungswesen, das seit dem Spätmittelalter darniedergelegen war, einen neuen Aufschwung, da man trachtete, sein Seelenheil zu verbessern und die Memoria auch nach dem Tod aufrecht zu erhalten. In dieses Bild passt auch eine wesentliche Ausweitung der seelsorglichen Aufgaben des Klosters im 18. Jhdt. 1727 wurde die neu errichtete Pfarre St. Corona, die mit einem Geistlichen aus dem Kloster zu besetzen war, übernommen. Ebenso entstanden auf dem Gebiet der Klosterpfarre zwei neue Kirchen, die zum Teil reich bestiftet wurden: 1729 bis 1745 auf dem Hafnerberg und 1764 bis 1766 in der Dornau zum leidenden Heiland (heute die Kirche in Thenneberg).

Zwei der bedeutendsten Feste im Kloster waren das des hl. Benedikt am 21. März und seiner Schwester Scholastika, am 10. Februar, das mit einem Hochamt, zelebriert durch den Prior, gefeiert wurde. Besonders wichtige Feste im Kloster, bei denen der Abt selbst das Hochamt leitete, waren das Kirchweihfest der Stiftskirche am Pfingstmontag in Erinnerung an die Wiedereinweihung 1609, Fronleichnam, das Stifterrequiem für die Herren von Schwarzenburg, das Patroziniumsfest der Stiftskirche Mariä Himmelfahrt am 15. August Mariä Geburt am 8. September und das Patroziniumsfest der Klosterkirche, das Fest des hl. Apostels Thomas am 21. Dezember.

article-49-img8

article-49-img9ie Schulden wuchsen aufgrund des Wiederaufbaues und der Zubauten unaufhörlich an. Ein großes Problem waren auch die übermäßigen Wildschäden auf den Feldern der Untertanen, wodurch die Abgaben nicht ausreichend geleistet werden konnten. Zwar versuchte man früher schon die Schulden so gering wie möglich zu halten und immer wieder Geld zurückzubezahlen, eine wirkliche Besserung stellte sich aber erst unter Abt Edmund Tam ein. Das Wildbret in der Gegend wurde weitgehend reduziert, wovon auch die klostereigenen Felder profitierten. Hatte zuvor die jährliche Ernte für den eigenen Bedarf nicht ausgereicht, so dass zugekauft werden musste, ergab sich nun ein kleiner Überschuss, der verkauft werden konnte. Ebenso wurden die Weingärten in einen derart guten Zustand versetzt, dass alle Hoffnung berechtigt war, dass sie in den kommenden Jahren reichen Ertrag bringen würden. Die Wiesen des Klosters reichten aus, um das „Maiervieh“ (Tiere im Maierhof) zu ernähren, ebenso wurde in den Gärten ausreichend das nötige „Kräuttl-Werckh“ gepflanzt, wodurch man sich entsprechende Einkäufe sparte; ein Glashaus mit Orangerie trug ebenfalls dazu bei. Die Waldungen waren in gutem Stand und wurden zum „Grösten Schatz“ des Klosters gewählt, doch wurden sie nicht entsprechend genutzt, da der Abtransport des Holzes zu schwierig schien; die Holzschwemme des Waldamtes auf der Triesting gab in dieser Beziehung jedoch Hoffnung. Diese brachte dem Kloster andererseits schwere Einbußen, weil dadurch der Fischbestand empfindlich vermindert wurde, so dass nahezu der gesamte Bedarf an Fisch um teures Geld eingekauft werden musste. Der Maierhof war durch die umsichtige Führung des Schaffers in einem derart guten Zustand, dass der Bedarf an Schmalz, Milch und Butter leicht gedeckt werden konnte. Ebenfalls hatte man eine Ziegelei, in der Ziegel für den eigenen Gebrauch angefertigt wurden. Um 1760 wurde eine Inventur des Klosters durchgeführt. Dabei zeigte sich jedoch, dass das Kloster in finanzieller Hinsicht vom Ruin bedroht. Um Mariazell/Ö zu retten, war eine groß angelegte Sanierung von Grund auf erforderlich, wozu der neue Abt fest entschlossen war. Große Unterstützung erhielt Abt Jacob Pach von seinem Heimatkloster Kremsmünster, das in den folgenden Jahren nicht nur zusätzlich Geldmittel für Mariazell/Ö flüssig machte, sondern auch qualifizierte Konventualen zur Führung des Klosters zur Verfügung stellte.

Um die Studien der einzelnen Mönche war es zunehmend schlecht bestellt, zumal der Abt selbst nichts von der damals aktuellen Literatur hielt; möglicherweise ein Hinweis darauf, dass er der Aufklärung kritisch gegenüberstand.

Kleidung erhielten die Mönche nach Bedarf; prinzipiell erhielten sie jährlich drei Hemden und ebenso viele Paar Schuhe. Die Kost war auch nicht so schlecht – immerhin gab es mittags sechs und am Abend vier verschiedene Speisen -, doch war deren Zubereitung, besonders abends, nicht besonders zufriedenstellend, was auf den Unmut mancher Mönche stieß.

Am 29. November 1780 starb Maria Theresia, nachdem sie über vierzig Jahre regiert hatte. In dieser Zeit hatten sich beachtliche Tendenzen entwickelt und ausgeprägt, die dem Klosterwesen gegenüber aus verschiedenen Gründen negativ eingestellt waren. Dies äußerte sich in Österreich vorerst durch strenge Regulierungen und Beschränkungen der Orden, die in letzter Konsequenz aber alle auf eine Verminderung der Klöster und ihrer Mitglieder abzielten. Dies hatte zur Folge, dass zum Zeitpunkt des Todes der Landesfürstin ein Zustand erreicht war, durch den jedes Kloster und jeder Regulare von Eintritt bis zu Tod an staatliche Vorschriften gebunden war. Unter Maria Theresia kam es noch zu keinen Klosteraufhebungen. Erst nach ihrem Tod, als ihr Sohn Joseph II. an die alleinige Regierung gelangte, erfolgte ein entscheidender Schritt in diese Richtung.

Die Situation im Kloster nimmt zu jener Zeit eine verhängnisvolle Entwicklung. Die Spannung zwischen Abt und manchen Geistlichen wird immer unerträglicher. Zwei Mal wird der Abt Jacob Pach von seinen eigenen Mönchen verklagt, zwei Mal erfolgen Untersuchungen durch die geistliche Hofkommission. Zudem hat man außer zwei Mönchen, die Trinker sind, drei andere, die geistig krank sind, um die sich aber niemand kümmert.

In der niederösterreichischen Regierung gab es zwar in Einzelheiten verschiedene Meinungen zum weiteren Vorgehen, allesamt zielten sie aber nicht auf eine Aufhebung des Klosters hin. Die Hofkommission kommt im Gegensatz zum Bericht der niederösterreichischen Regierung zum Schluss, dass das Kloster, ungeachtet, dass es von jeher eines der angeseheneren Häuser Österreichs gewesen war, aufzuheben sei. Als weitere Maßnahme werden die Verteilung der Geistlichen auf andere Klöster, die Unterstellung der in den Pfarren tätigen Mönche unter den Ordinarius gleich anderen Seelsorgern auf dem Land, und eine Untersuchung der geisteskranken Mönche durch einen verständigen Medicus angeordnet, damit diese eventuell wieder geheilt werden konnten.

Die endgültige Entscheidung lag bei Kaiser Joseph II., dessen Kirchenpolitik darauf abzielte, die Zahl der Klöster und ihrer Mitglieder zu verringern. Obwohl das Stift wirtschaftlich gesund war und ein beachtliches Vermögen besaß, für die Seelsorge im oberen Triestingtal von wesentlicher Bedeutung war und für die Vergehen seines Abtes nichts konnte, waren die Zustände, wie sie damals herrschten, die jedoch jederzeit mit guten Willen behoben werden hätten können, ein willkommener Anlass, ein geistliches Haus mehr aufzuheben. Am 5. November 1782 wurde das Kloster nach 646-jährigem Bestand aufgehoben.

Die Zeit unmittelbar nach der Aufhebung Nach der Auflösung wurde das ehemalige Kloster Mariazell/Ö dem StiftMelk unterstellt. Die geisteskranken Mönche kamen dorthin, die Kirchen im Versorgungsbereich des ehemaligen Klosters wurden von Benediktinermönchen versorgt.

Am 28. Dezember 1785 übergab man das ehemalige Kloster Mariazell/Ö unter die Obhut von Kremsmünster.

Am 20. Februar 1790 starb Joseph II. und sein Bruder Leopold II. trat wenige Tage später die Nachfolge an. Noch im selben Jahr wurde die Bibliothek in das Stift Lilienfeld übersiedelt.

In seiner Regierungszeit gab es immer wieder Hoffnung auf eine Wiedererrichtung von Mariazell/Ö, was aber aus unerklärlichen Gründen leider nicht geschah.

Kremsmünster versuchte unterdessen soviel wie möglich aus dem mariazeller Besitz herauszuholen.

Die wirkliche Zersplitterung der Güter begann im Jahre 1794, als der Verkauf von wesentlichen Besitzungen seinen Anfang nahm: Die Weingärten bei Mödling, Sooß, Baden, Pfaffstetten, die herrschaftliche Mühle und der Rehhof im Amt Thenneberg. Ebenso mussten die Gold- und Silbergegenstände aus der Schatzkammer wegen des Krieges mit Frankreich an die Münzbank abgeliefert werden.

Die weitere Geschichte des ehemaligen Klosters

Später wurde das ehemalige Kloster Kleinmariazell einem „Fonds“ überlassen und schließlich 1825 versteigert. In der Folgezeit wurde aus den Klosteranlagen ein Schloss, aus dem Klosterbesitz Privatbesitz. Der Kirch blieb zu ihrer Erhaltung ein Küchengarten und ein kleines Stück Wiese. Nach den Klosterzeiten erlebte der Ort herrschaftliche Zeit.

Ansicht des ehemaligen Klosters Mariazell in Österreich um 1900

Die ganz große Wende aber im unmittelbaren Bereich von Kirche, Schloss und Pfarrhof war das Jahr 1940, als aus dem Schlosse ein Umsiedlungslager wurde, das Jahr 1945, als der ganze Besitz zum Deutschen Eigentum erklärt wurde, und das Jahr 1964, als Kommissionen beschlossen, das Schloss wegen Baufälligkeit niederzureißen und nur die Kirche zu retten. Im Zuge dieser gewaltigen Arbeiten wurden dann romanische Bauteile freigelegt, vor allem der Kreuzgang einer Rettung wertbefunden, und so wurden diese ältesten Bauteile mit Dachstühlen versehen und mit Steinschindeln eingedeckt, um sie der Nachwelt zu erhalten. Es kostete ganz große Anstrengung der Pfarre, diese Räume, in einer Schutthalde stehend und ohne Fenster und Türen, kulturellen und seelsorgerischen Zwecken nutzbar zu machen. (Heute befindet sich dort der Reliquienschrein)

Im Zuge der Trockenlegungsarbeiten in der Kirche von Kleinmariazell, die im Herbst 1994 begonnen worden waren, stießen die Arbeiter auf zahlreiche Funde von großem historischen Wert. Ab Februar 1995 wurden mit Unterstützung der Erzdiözese Wien, dem Land Niederösterreich, der Marktgemeinde Altenmarkt/Triesting und der Pfarrgemeinde großflächige archäologische und bauhistorische Untersuchungen der Abteilung für Bodendenkmale des Bundesdenkmalamtes unter der Leitung von Univ. Lektor AR Johann Offenberger durchgeführt.Der wichtigste Fund ist das Grab der Gründerbrüder Heinrich und Rapoto von Schwarzenburg, indem die Archäologen auch eine beschriftete Ziegelplatte fanden, die besagt, dass deren Gebeine bei der Wiedereinweihung am 13. Mai 1609 hier wiederbestattet wurden. Das Grab der Gründerbrüder Heinrich und RapotoWeiters entdeckten die Grabungsbeauftragten ungefähr 250 Gräber, die zum Teil auch außerhalb der heutigen Kirche liegen. Das Alter der Gräberfunde reicht von 11. bis zum 17. Jhdt.
Ausgrabungen im rechten Seitenschiff der KircheAuch ein spätgotischer Ziegelmosaikboden wurde in der heutigen Sakristei freigelegt, der aus dem 12. Jahrhundert stammt, und das Grabungsteam darauf schließen lässt, dass sich dort früher ein Waschraum befunden hat. Weiters stießen die Archäologen auf einen tausend Jahre alten Wurzelstock und eine Quelle, die vermutlich jene Quelle ist, die auch in der Gründungssage von Mariazell in Österreich vorkommt.Auch eine Gruft in der, im Vergleich zu den Gräbern, nur einige Knochen vorgefunden wurden. Einige erwähnenswerte kleinere Funde sind ein Holzring, an dem auf der einen Seite ein Totenkopf, auf der anderen Seite Jesus Christus geschnitzt ist. Auch einige Kruzifixe, Münzen, die Reste einer Mönchskutte und ein alter Schuh aus Leder wurden gefunden. Das Grabungsteam entdeckte auch die Reste früherer Kirchenmauern, denn die Kirchen wurden nur bis auf die Fundamente abgerissen und darauf im Laufe der Zeit immer wieder neue Kirchen gebaut.
Fundament einer Apsis Eine freigelegte Tür
Nachdem die Archäologen ihre Arbeit beendet hatten, konnte man weiter daran gehen die Kirche zu renovieren.

Renovierung des Chorgestühls und der Orgel

Am 29. November 1998 fand die Neueinweihung durch Kardinal Erzbischof Dr. Christph Schönborn statt. Die neu restaurierte Kirche war nun wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

  unter den zahlreichen EhrenGästen: LH. Dr. Erwin Pröll, LH a.D. Siegfrid Ludwig, Bez. Hauptmann …

IMPRESSUM …
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